In alter Tradition entsteht für unsere Kunden seit 1986 jährlich ein Jahreskalender der ganz besonderen Art. Die zeitgemäßen künstlerischen Akzente in Verbindung mit dem bereits vielfach als praktisch gelobten außergewöhnlichen Format machen diesen Kalender zu einem jährlich erwarteten Weihnachtsgeschenk für unsere treuen Kunden. Hier ein paar Eindrücke von den Motiven...
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Lithograph Peter Ahl mit zwei Arbeitskolleginnen an der Steindruckmaschine der Druckerei Ph. Reinheimer um 1920 unter der Führung von Peter Reinheimer.
Während der Lithograph mit dem Drucken beschäftigt war, waren die Frauen in traditioneller Kleidung für das manuelle Einlegen der Papierbögen in die Maschine verantwortlich. Das Foto übergab uns seine Enkelin Erika Ihrig, die in den 50er Jahren ebenfalls in der Firma beschäftigt war. Frau Ihrig absolvierte eine Ausbildung zur Schriftsetzerin und wurde nach bestandener Prüfung traditionsgemäß gegautscht.
Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Firma Ph. Reinheimer wurde am 17. Mai 1996 ein großes Fest mit 150 Gästen gefeiert. Im Hof war ein großes Festzelt aufgebaut und nach den Begrüßungsreden und Ansprachen wurde den Gästen die Produktion in der Druckerei gezeigt und alle Fragen beantwortet. Zwei Druckproduktionen waren der Höhepunkt: Das von Helmut Lortz am Morgen gezeichnete Jubiläums-Bild wurde nachmittags farbig gedruckt und den Gästen überreicht, und die Geschichte der Druckerei einschließlich Interviews und aktuellen Bildern vom Fest wurden in einer Fest-Zeitung gedruckt und ebenfalls zum Kaffee am Nachmittag verteilt. Das Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Darmstadt, Herrn Peter Benz, Ehrengast des Festes, geben wir im Wortlaut wieder: Um es gleich mit Lichtenberg auf einen entscheidenden Nenner zu bringen:
"Bemühe Dich, nicht unter Deiner Zeit zu sein."
Das ist leichter gesagt als getan. Aber wer ein 150jähriges Familien-Betriebsjubiläum und noch dazu in dieser Branche feiern kann, der hat schon allein dadurch bewiesen, dass er eines verstanden hat: auf der Höhe der Zeit zu sein. Uns allen ist klar, so etwas fällt einem nicht in den Schoß. Dazu gehören Menschen, Disziplin, Geld, Mut, Weitsicht und sicher
auch Nachsicht, Vorsicht und Rücksicht. Und das alles in einem der Gegenwart angemessenem Rahmen und Raum. Das ist nicht wenig verlangt von einem Familienbetrieb, der von Anfang
an handwerkliche Solidität künstlerischem Anspruch zu verbinden als ein hohes Ziel angesehen hat. Ich muss mich hier nicht anstrengen, um zu bekennen, wie nah mir diese Welt der Setzer, Drucker und Gestalter ist. Wer gerne mit Worten Umgang pflegt, legt auch Wert auf eine entsprechende "Verpackung".
Das Druckerzeugnis ist aber nicht nur Verpackung, sondern Teil des ganzen Produktes, so wie die Kleider zu den Menschen passen, um aus ihnen Leute
zu machen oder auch nicht. Wer ein Buch in die Hand nimmt oder auch nur eine Broschüre, kann ziemlich schnell erkennen, wo's lang geht.
Der Vater des jetzigen Betriebsinhabers, Karl Heinz Reinheimer, an den sich viele Darmstädter sehr gut - auch durch seine Tätigkeit
als Stadtverordneter - erinnern können, hat mit seinem Freund Helmut Lortz das künstlerische Profil des Familienunternehmens im wahrsten
Sinne des Wortes gezeichnet. Die künstlerische Handschrift, die Qualität der Reinheimerschen Druckerei und des bald angeschlossenen
Justus-Liebig-Verlages machten die Druckerei Reinheimer bald zu einem unverzichtbaren, verwandtschaftlich vertrauten nahen Partner der Stadt
Darmstadt. Für uns wird hier die in deutschen Städten einmalige Taschenbuchreihe "Darmstädter Schriften" verlegt. Das "Darmstädter Bürgerbuch", das allen Achtzehnjährigen
geschenkt wird, kommt ebenfalls aus diesem Haus. Wenn ich der Familie Reinheimer und allen Betriebsangehörigen alles
Gute und eine stabile und erfolgreiche Zukunft wünsche, dann tue ich es auch aus städtischem Egoismus, damit die Zusammenarbeit noch lange besteht.Gott grüß' die Kunst!
Unter dem Titel Kunst, Kultur, Kommunikation und Kommerz fand ab dem 12.9.1996 im Haus des Instituts für Neue Technische Form eine Plakat-Ausstellung statt. 70 Plakate aus der Druckerei Ph. Reinheimer seit 1946 waren ausgestellt und erinnerten ein breites Publikum an selbst-erlebte Darmstädter Events der letzten 50 Jahre: von einer ersten Ausstellung Helmut Lortz bei Vincent d'Hooghe über die Darmstädter Gespräche bis zu Hochschul-Feten im Audi-Max, Ausstellungen in Kunsthalle, Museum, auf der Mathildenhöhe und von der Sezession, Werbung vom Warm-Wasser-Boiler bis zum Roeder-Herd. Anlässlich der Ausstellungs-Eröffnung überreichte Oberbürgermeister Peter Benz die Silberne Verdienst-Plakette der Stadt Darmstadt an die Druckerei Ph. Reinheimer.
Zum 600. Geburtsjahr von Johannes Gutenberg erscheint am 19. Juni 2000 als Sonder-Ausgabe der PhR-Zeitung ein Aufsatz von Thomas Reinheimer über die Entwicklung der Informations-Vervielfältigung. Die Entstehung des Papiers und der ersten Drucktechniken begann lange vor Gutenberg in Asien. Gutenberg legte aber mit der Erfindung der beweglichen Lettern den Grundstein für die Druckrevolution in Europa, die ständig an Fahrt gewinnt und damit auch Grundlage für die industrielle und kulturelle Entwicklung war. Auch die Weiterentwicklung seiner Technik im 19. Jahrhundert bis zum Beginn der neuen Multi-Medialen Revolution ausgangs des 20. Jahrhunderts wird dargestellt.
Im Moment befinden wir uns noch mitten in dieser Entwicklungsphase, und deren Ausgang kann sich noch keiner vorstellen.
Aus Anlass der komplett renovierten Räume und der fast komplett neuen technischen Ausstattung der Druckerei Ph. Reinheimer findet am 25. Oktober 2002 das Renovations- und Innovationsfest statt, wieder in den Räumen der Druckerei:
Mit einem Gautschfest wird der traditionelle Ausbildungsabschluss eines
Gesellen wieder neu belebt, weitere Höhepunkte sind eine Ausstellung von Ölbildern Barbara Bredows und die Tanzdarbietung von Ammun
Colleen. Auch bei diesem Fest wird ein Faltblatt mit Bildern des Festes am Ende der Veranstaltung den Gästen überreicht.
"... das ist dem Sohne Gutenbergs die allerbeste Tauf."
Mit diesem Schlussspruch ging es in die Wanne. Die Gautschfeier war die Freisprechung und Anerkennung als vollwertiger Geselle der Buchdruckerkunst.
Am 26. Oktober 2002 erscheint Im Darmstädter Echo in der Rubrik „Unternehmen im Gespräch“ ein Bericht über die Druckerei, der hier in Auszügen wiedergegeben ist. Autor: Hanno Hiz.
Bloß kein Wachstum um jeden Preis
„Ganz oder gar nicht“: Wie die Darmstädter Druckerei Reinheimer dem Branchendruck trotzt
Wer sich einmal die Papiermassen auf der Frankfurter Buchmesse angetan hat und im Anschluss daran vielleicht mit Kopfschmerzen in einem Café saß, könnte auf eine komische Idee gekommen sein: nämlich
dass die Druckindustrie in Deutschland eine Boom-Branche ist und die Betreiber von Druckereien auch dann in Geld schwimmen, wenn sie keine
Banknoten herstellen. Thomas Reinheimer bereitet solchen Gedankenspielen rasch ein Ende. Denn der 41-Jährige führt seit nunmehr 16 Jahren eine traditionsreiche
Druckerei in der Darmstädter Innenstadt und kennt die Probleme der Branche aus dem Effeff. Die traurige Realität: In den vergangenen zehn Jahren mussten auch in Darmstadt immer mehr Druckereien aufgeben,
schrumpfte die Anzahl auf etwa ein Dutzend. „Und dieser Prozess ist noch nicht gestoppt", vermutet Reinheimer. Auf der Strecke
dürften vor allem die Preisbrecher bleiben. Unternehmer also, die selbst dann Aufträge ergattern wollen, wenn sie unterm Strich unrentabel
sind. Reinheimer erklärt dieses Phänomen damit, dass bei diesen Firmen oft die Eigenkapitaldecke sehr dünn ist, der Betrieb folglich
zum Umsatzmachen verdammt ist, um die wachsenden Bankverbindlichkeiten zu bedienen. Dass diese Rechnung auf Dauer nicht aufgehen kann, liegt
auf der Hand. Bis der Preisdrücker aber aufgeben muss, schnappt er seinen Konkurrenten erst einmal Aufträge weg, was in der momentanen
Konjunkturflaute besonders schmerzt. Dabei sind es weniger die Wettbewerber vor Ort, die sich beim Poker
um öffentlich ausgeschriebene Aufträge gegenseitig das Wasser abgraben. Reinheimer zufolge sind es vor allem die vom Bund subventionierten
Druckereien in strukturschwachen Regionen wie Ostdeutschland, die das wirtschaftlich vernünftige Preisniveau teilweise massiv unterbieten
und damit Betriebe vor Ort in die Bredouille bringen. Da die Bezugskosten von Papier oder Maschinen annähernd konstant sind und auch bei den Löhnen die Unterschiede nicht gravierend ins Gewicht fallen
dürften, nennt der Darmstädter Unternehmer dies einen klaren Fall von Preisdumping.
Das also ist die unerfreuliche Ausgangslage: Große Aufträge gehen vielfach an die Billigheimer, kleinere an die Copy-Shops, um den
Rest des Kuchens balgen sich immer noch etliche Wettbewerber. Mit welcher Strategie kann ein Unternehmer in diesem Markt bestehen?
Die Technik gibt den Takt vor
Kundenpflege, hohe Qualität, pünktliche Lieferung, das alles sind für Thomas Reinheimer Selbstverständlichkeiten. Ein Knackpunkt ist die Technik, denn die Innovationszyklen werden hier immer kürzer,
fordern einen hohen Kapitaleinsatz. Wer nicht alle fünf Jahre in neue Falzmaschinen, Plattenbelichter, Software oder Druckmaschinen investiert, ist Reinheimer zufolge bald weg vom Fenster. Der Firmenchef hat deswegen
in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro locker gemacht und damit praktisch den Gesamtumsatz 2002, was in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bemerkenswert
ist. Das Gros der Investitionssumme verschlang die Anschaffung der neuen Heidelberger Fünffarbenmaschine. Ferner bekam das aus den fünfziger Jahren stammende Firmengebäude
in der Gagernstraße einen neuen Anstrich, wurde zugleich innen umgebaut und modernisiert, was unterm Strich mit rund 400.000 Euro zu Buche schlug. .....
Neben Verlagen zählt das Unternehmen auch Sport- und Wirtschaftsverbände, Künstler und Kirche, Industrie oder Kommunen zu seinem Kundenkreis, wobei das Auftragsvolumen im Schnitt bei rund 2500 Euro liegt.
„Wir expandieren nicht auf Teufel komm raus“, fasst Reinheimer seine Strategie zusammen, die einer modernen Technik und „hoch motivierten Beschäftigten“ den Vorzug gibt gegenüber
einem blinden Wachstumskurs auf der grünen Wiese. Der Unternehmer hält seine neun Gefolgsleute nicht nur mit wohlfeilen Worten bei der Stange, sondern auch mit einer übertariflichen Bezahlung und flexiblen Arbeitszeit-Modellen (Zeitkonten). Mitglied im Bundesverband Druck ist Reinheimer schon seit sechs Jahren nicht mehr. Auf das zum
Ritual erstarrte Funktionärstheater habe er einfach keine Lust mehr gehabt, lautet die knappe Begründung. Ob die Druckerei auch künftig schwarze Zahlen schreibt, hängt nicht zuletzt vom Chef selbst ab. Dass die Familie sowie die Hobbys
Tennis und Ski regelmäßig zu kurz kommen, weil die Arbeitswoche „eher 70 als 60 Stunden“ hat, ist Reinheimer zufolge unvermeidlich. „Ganz oder gar nicht“ könne der Knochenjob gemacht
werden. Lohn der Maloche sind dann Momente wie dieser: Reinheimer will seinen Mitarbeitern in den kommenden Tagen einen neuen Auszubildenden vorstellen. Der darf nun in der Gagernstraße seine Lehre beenden, nachdem sein früherer Arbeitgeber Pleite gegangen ist.